Meinen herzlichen Dank auch, soleluna. Dein Beitrag ist mal echt erfrischend zu lesen, insbesondere, weil ich so logische Schlussfolgerungen als regelrechten Fetisch selbst betreibe.
Darum möcht ich auch mal meinen Senf dazu beitragen und Dir ganz keck ein bißchen gegenargumentieren....
Wenn Du schreibst "Warum sollte eine weit fortgeschrittene Zivilisation, der es bereits gelungen ist die Grenzen von Raum und Zeit zu überschreiten, geheime Austauschprogramme mit unseren primitiven irdischen Militärs aufbauen, während der Rest der Menschheit dumm sterben soll ..." könnte man erwidern:
Wirf einen Blick auf unsere Kolonial- und Neokolonialgeschichte. Ich will gar nicht wissen, in wie vielen Ländern der Erde britisches Empire, französische "Grande Nation" oder die Sowjets oder die USA Militärberater, Ausbildner oder verdeckt operierende Sondereinsatzkräfte stationiert hatten im Laufe der Zeit, ohne dass davon auch nur die geringste Kleinigkeit an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Das Strickmuster - insbesondere im Kalten Krieg - war doch sehr nahe an dem, was man über potentielle ET-Interventionen hier auf Erden erzählt bekommt: Man installiert mittels Geheimdienst oder auch durch einen Söldnerputsch oder über NGOs, die Revolutionen anzetteln ein handzahmes Regime in einem zu kolonialisierenden Land (wenn man Glück hat, ist das regierende Regime ohnehin handzahm, dann spart man sich das Blutbad!), peppelt seine Truppen durch geheime Waffenlieferungen und Ausbildung auf und zieht die Fäden ohne großes Tamtam aus dem Hintergrund. Auf diese Weise vermeidet man einen zähen Guerillakrieg, den eine technisch überlegene Besatzungstruppe so gut wie immer auslöst und so gut wie immer verliert, wie in Vietnam, Afghanistan oder sonstigen Konflikten dieser Güteklasse schon geschehen. Diese Art von Kriegen hat bewiesen, dass selbst die perfekteste Militärtechnologie den Sieg nicht zwingend mit sich bringt. Und in Sachen Extraterrestrier käme noch ein Problem dazu: Würde man eine mögliche Kolonialisierung der Erde offen und gut sichtbar betreiben, würde sich möglicherweise eine breite Allianz an Widerstandskräften formen, die sich nur über den gemeinsamen Nenner "Wir sind Menschen, die sind Aliens" definieren müsste. Es wäre wohl auch mit den besten Star Wars - Waffen kaum zu bewältigen, 1 bis 2 Milliarden Guerillas auf fünf Kontinenten unter Kontrolle zu bringen.
Also lieber heimlich still und leise, indem man sich die politische Führung der militärisch potentesten Macht auf Erden durch verzwickte Technologietransfers, subtile Drohungen und vielversprechende Hinterrücksgeschäfte dienlich macht? Und wen sonst sollte man in diesem Fall kontaktieren, wenn nicht die Jungs, die als allererste den "Big Bang" über Hiroshima entfesselt haben, also die möglicherweise militärisch dominanteste Gruppe darstellen?
Zitat von Dir: "Wenn wir lt. Aliens doch angeblich noch nicht reif für einen Kontakt sind, dann machen die generell was grundlegen falsch indem sie sich auch Zivilisten fortlaufend zeigen. Oder haben sie ihre Anwesenheit hier selbst nicht unter Kontrolle? Wer ist dann nicht reif wozu?"
Gegenfrage:
Was, wenn wir Menschen technisch in der Lage wären, eine fremde Zivilisation zu kontaktieren und ihren Planeten zu bereisen, dies so einfach zu bewerkstelligen wäre, wie Autofahren und die notwendigen Transportmittel dafür wie Fahrräder frei verkäuflich sind? Und was, wenn diese Zivilisation noch gar nicht begriffen hat, dass man auch ganz anders zu Planeten fliegen kann, als mit überdimensionierten Silvesterraketen und Kommunikation auch völlig ohne SETI-auffindbare elektromagnetische Funkwellen möglich ist? Würde es irgendeiner Macht auf Erden gelingen, unser aller Umtriebe dort wirksam zu reglementieren, zu kontrollieren und sämtliche Fehler im Umgang mit den Anderen zu vermeiden? Hätten wir unsere Anwesenheit dort selbst unter Kontrolle? Wohl kaum. Und dieses Muster scheint sich irgendwie hinter all diesen UFO- und Alienstorys abzuzeichnen. Ein "Masterplan" scheint hier nicht wirklich vorzuliegen und auch keine geschlossene Strategie, der alle Beteiligten gehorsam folgen. Vielmehr erweckt die Fülle an Sichtungen und deren teils wirrer Verlauf den Eindruck, dass sich hier lediglich ein Rudel Irrer austobt, das sich vollkommen sicher fühlt, bei dem, was es macht. Ich schätze, so würden wir das auch machen. Zumindest haben wir es in rein irdischem Rahmen immer gemacht. Wir würden es mir hoher Wahrscheinlichkeit auch auf dem Mond oder auf Beteigeuze 7 tun.
Zu diesem Punkt passt auch folgendes Zitat von Dir: "...wenn unser primitives Radarsystem aus dem Jahr 1947 deren Flugscheiben in Roswell tatsächlich zum Absturz gebracht hat, dann müssen die entweder völlig bekifft dort rumgekurvt sein oder aber wir sind auch auf dem Gebiet
technologisch fortschrittlicher als die ...".
Hm.
Ich glaube, einer der Fehler, die wir im Nachdenken über potentielle ETs machen, ist, sie für unfehlbar zu halten, nur weil sie uns vielleicht zwei oder drei Evolutionsschritte voraus sind. (Von mir aus auch zwei- oder dreihundert, das spielt keine Rolle.) Ich würde aber mal sagen, dass potentielle Extreterrestrier vermutlich genau wie wir ein Haufen Durchgeknallter sind, die sich - ebenso wie wir - einfach nur für wahnsinnig schlau halten, ohne auch nur annähernd wirkliche Reife und Intelligenz definieren zu können. Wir Menschen sind ein zerrütteter, unkoordiniert dahinfuhrwerkender, sich selbst ständig widersprechender und alles Andere als glanzvoll agierender Haufen Wahnsinniger (Beweis: Siehe das nächstbeste Geschichtebuch!). Wieso sollte ET dahingehend anders sein? Vier Millionen Jahre aufrechter Gang haben uns nicht eine einzigen Millimeter über den Entwicklungsstand "Fressen, Saufen, Ficken, Schlafen" hinausgebracht.
Würden uns 400 Millionen Jahre dahingehend irgendwie weiter bringen? Ich bezweifle es! Unsere Existenzphilosophie ist zum überwiegenden Großteil noch immer verhaftet in männlichen Imponiergehabe, dumpfer Trieb- und Bedürfnisbefriedigung und paranoider Ausgrenzung allesFremden aus willkürlich von uns definierten Gemeinschaften. Wieso sollte sich das in absehbarer Zeit ändern? Das hat es doch bis jetzt auch nicht getan. Nur die technischen Mittel, um unsere Neandertaler-Mentalität auszutoben, haben sich verbessert. Und das nennen wir dann intelligent.
ET wird das vermutlich mit dem stolzen Brustton der tiefen Überzeugung über sich selbst auch sagen.
Aber zurück zu UFOs und Radar:
Frage: Kann man mit einem simplen Stein, wie er auch im Neandertal schon als Wurfgeschoss verwendet wurde, ein modernes Auto zum Verunglücken bringen? Durchaus, würde ich sagen.
Macht also hochentwickelte Technologie gegen uralte Methoden und Mittel garantiert resistent?
Nur bedingt!
Noch eine Frage: Kann ein schnell mutierender Krankheitserreger, der gegen alle modernen Antibiotika resistent geworden ist, möglicherweise mit dem guten alten Penizilin bekämpft werden?
Ebenfalls gut möglich.
Kann ein technisch um Millionen Jahre weiter entwickeltes UFO durch altmodische Radarwellen vielleicht so in seiner Funktion gestört werden, dass es abschmiert? Warum nicht?
Eine Zivilisation, die Jahrmillionen über diejenige Epoche hinaus ist, in der Radar von ihr selbst zuletzt verwendet worden ist, könnte eben dadurch plötzlich Probleme bekommen, weil sie schon längst vergessen hat, dass es das ja auch das mal gegeben hat. So wie teilweise Uralt-Antibiotika die jüngsten Mutantengenerationen von Krankheitserregern wieder am Arsch kriegen können, weil die Resistenz gegen sie schon wieder im Dunkel der Evolutionsgeschichte versunken ist.
Zitat: "Warum brauchen Aliens, die uns technologisch um Jahrmillionen voraus sein s/wollen, ganze Jahrzehnte für biologische, geologische und soziologische Untersuchungen unseres Planeten und dessen Lebensformen?"
Gegenfrage: Warum brauchen Menschen, die uns technologisch um Jahrmillionen voraus sein s/wollen, ganze Jahrzehnte für biologische, geologische und soziologische Untersuchungen unserer Spezies und unseres Lebensraumes?
Diese Frage könnte so gut wie jedes Tier oder jede Pflanze auf Erden stellen. Wieso verheizen wir nach weiß Gott wie vielen Jahrzehnten immer noch Tiere in Versuchslabors? Wieso erforschen wir das Verhalten von Ratten und Mäusen immer noch? Warum haben wir noch immer nicht aufgehört, Ameisen zu untersuchen? Man sollte meinen, es wäre schon längst alles darüber in Erfahrung gebracht, was es zu wissen gibt. Ist es aber offenkundig nicht! Und wie man im eigenen Leben ja immer wieder beobachten kann, wirft eine neue Antwort meist die nächste Frage auf.
Allwissenheit wird es nicht geben, den Punkt, an dem es nichts mehr zu erforschen gibt, auch nicht. Und selbst, wenn ET schon - wie Paläo-SETI meint - zehntausende Jahre hier auf Erden herumgeistert - die Fragen sind ihm garantiert noch nicht ausgegangen.
Zitat: "Wäre ich ein stolzer US-good-guy, der sich von Natur aus und über alle Grenzen hinweg zur Rettung der Menschheit berufen fühlt - seis mit tödlicher Waffengewalt hier auf Erden oder klar und deutlich im Weltall bekundet mit der US-Fahne auf dem Mond - wäre dann ein derartig heroenhafter Austausch mit Aliens nicht selbstverständlich allenorts umgehend publik zu machen?"
1947 - der Kalte Krieg hat gerade begonnen. Die Sowjetunion etabliert sich als potentiell gefährlicher Gegenspieler im Kampf um die Weltherrschaft. In Roswell schmiert ein UFO ab und die US-Jungs bergen Technologie, die so fortschrittlich ist, dass sie - vorausgesetzt, man lernt sie nachzuahmen und zu nutzen - einen garantierten Vorsprung mit sich bringt. Wäre es nicht sehr erstrebenswert, dass der potentielle Feind rein gar nichts davon mitbekommt, um ihn im Ernstfall ordentlich überraschen zu können?
1989 - der Eiserne Vorhang ist gefallen, der potentielle Gegner vorläufig aus dem Rennen. Und seit fünf Jahrzehnten halten wir das Maul betreffend der Roswell-Geschichte. Sollen wir jetzt anfangen zu plaudern? Nachträglich alles zugeben und uns dann mühsam dafür rechtfertigen, die wahrscheinlich bedeutungsvollste Sache in der Geschichte der Menschheit vertuscht zu haben?
Erzählst Du Deinen Eltern nachträglich alles, worüber Du als Kind besser geschwiegen hast?
In beiden Fällen wird es vermutlich besser sein, die bewährte Methode beizubehalten und weiterhin nicht zu reden.
So.
Nochmals danke für Deinen exzellenten Beitrag und Deine Überlegungen.
Deine Schlussfolgerung, dass es keinen Kontakt gibt, kann ich leider nicht teilen. Ich bin zwar nicht überzeugt davon, dass wirklich ETs mit einer irdischen Macht einen "Deal" oder "Pakt" ausgehandelt haben, aber gänzlich von der Hand zu weisen ist diese Option leider nicht. Was ich aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu wissen glaube - Schön formuliert, nicht wahr!?

- ist, dass Extreterrestrier durchaus hier auf Erden aufgetaucht sind und immer wieder mal auftauchen. Was sie wollen, worauf sie abzielen und warum sie sich überhaupt die Mühe machen, uns Halbaffen zu besuchen, weiss ich leider auch nicht.
Aber ich versuche es rauszukriegen ...